»Sturmfrei« in der Fabrik der Künste, Hamburg

Donnerstag, 4. Dezember 2014
Von Raban Ruddigkeit 29. Oktober 2014 Kommentare 1

»Zeichenstift und Pinsel verlassen das Papier, Strukturen der hölzernen Tischplatte werden nachvollzogen. Ein gespiegelter Bewusstseinsstrudel, der gedankenverloren zu ornamentalen Ranken um Lampen herum sich windet.

Zögerlich wird fern von Auftragsarbeit das innere Kind wach. Erinnerungen an heimlich bemalte Zimmerwände, Schulbänke und Toilettentüren tauchen auf. Plötzlich wird das vorsichtige Tun zur Revolte. Die Schwelle der Reglementierung wird überschritten und schließlich lassen die Illustratoren nicht nur ihrer Fantasie, sondern auch ihren Händen, ja ihren Körpern freien Lauf. Es wird sich gebogen, gereckt und geklettert, um einzeln und gemeinsam die alltägliche Umgebung an möglichen und unmöglichen Stellen mit den eigenen Figuren, Formen und Mustern zu bevölkern. Dabei ergänzen, mischen und erweitern sich die verschiedenen Stile in einem vereinenden Schwarz-Weiß. Es entsteht raumgreifende Illustration. 

Sturmfrei. Was die acht Hamburger Illustratorinnen mit ihren Gästen in der Fabrik der Künste präsentieren, ist das Ergebnis der Ruhe nach dem Sturm. Eine Welt, die lebendig wird, wenn die Ordnungshüter der Vernunft das Haus verlassen, ist beim Auftauchen der Besucher erstarrt. Sie sind entdeckt, die Giraffen, Vögel und Elche, die sich im Sofastoff  verborgen hielten. Ein kleiner Fuchs ist auf dem Stuhl eingeschlafen. Manches hat sich noch schnell versteckt, wie das Erdmännchen-Paar im Schrank. Der Besucher ist dazu eingeladen, auf Entdeckungstour zu gehen, Schubladen zu öffnen, unter Tische zu schauen. Dabei wird er manche Überraschung erleben, die eine außer Rand und Band geratene Gruppe von Illustratoren im Sturm auf die Beschränkungen ihres Berufs sich und anderen bereitet hat. 

Das Gesamtkunstwerk im unteren Geschoss wird begleitet von einer Ausstellung im Obergeschoss, die zeigt wie die einzelnen Illustratoren üblicherweise arbeiten. Hier lassen sich die verschiedenen Stile und Bildwelten nachvollziehen und zuordnen.
Zurück in der Welt von Nussknacker, Zinnsoldat und Toy Story kann noch einmal erfahren werden, wie anregend und bereichernd es ist, gemeinsam über den eigenen Tellerrand, bzw. das eigene Blatt Papier zu schauen.«

Ausstellung: 5.12. - 8.12.2014 / täglich 11-19 Uhr, Vernissage: Donnerstag, 4.12.2014 19 Uhr, Fabrik der Künste, Kreuzbrook 12, 20537 Hamburg 

Illustratoren: Elsa Klever, Laura Lünenbürger, Lena Schmid, Neele Bunjes, Saskia Danielewsky, Caroline Quade, Lena Personn, Clara de Villiers, Gast-Illustratoren: Andrea Schlößer, Russlan, Pia Eisenträger, Katinka Reinke, Christopher Tupou, Moritz Stetter, Christoph Kleinstück

(Text: Cora Waschke, Fotos: Julia Knabbe)

und wie viele Frauen passen

und wie viele Frauen passen nun in einen Schrank? Die Auflösung folgt??