Der Illustrator Ingo Römling bezieht Stellung auf Facebook

Im Angesicht der in meinen Augen dramatischen Übergriffe auf Flüchtlingsunterkünfte und deren Unterstützer schreibt der Zeichner; »Wer die jüngsten Ereignisse, die brennenden Flüchtlingsheime, die fremdenfeindlichen Übergriffe, die Parolen und Aufmärsche, sei es in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Bayern, Baden-Württemberg oder sonstwo in Deutschland, unterstützt oder toleriert, der möge hier jetzt mal ganz aufmerksam lesen.

Wer die Hetze in den Netzwerken und Foren, die hämischen Kommentare, all diese Auswüchse menschlicher Ignoranz und Dummheit, in irgendeiner Form gutheißt oder auch nur verharmlost, indem er sie z.b. als eine logische Folge einer "verfehlten Einwanderungspolitik" darstellt, dem entgegne ich hier folgendes:

Es ist leicht, die Verantwortung von sich wegzuschieben. Aber nicht die Politik, und auch nicht die Regierung, bestimmt, welche Parolen du brüllst und mit wem du bei einer Demo marschierst. Nicht die Politik bestimmt, ob du den Stein in deiner Hand benutzt, um beim Aufbau einer Hilfsmaßnahme für Notleidende zu helfen oder ob du ihn in das Fenster eines Flüchtlingsheims schmeißt. Nicht die Regierung bestimmt, wie du denkst, ob du einen Funken Menschlichkeit und Anstand in dir hast, oder ob du deinen wie auch immer gearteten Frust an denen auslässt, die am schwächsten sind und am wenigsten dafür können. Das bestimmst du allein.

Du fühlst dich "überrumpelt", weil bei euch im Stadtteil ein leerstehendes Hotel in ein Flüchtingsheim umgebaut wird? Du beschwerst dich, weil dich niemand gefragt hat, ob auf dem brachliegenden Industriegelände vier Straßen weiter eine Anzahl Notunterkünfte errichtet werden darf?

Nein. Diejenigen, die Freunde, Familie oder ihre Existenz im Bombenhagel oder auf einem sinkenden Schlauchboot irgendwo im Mittelmeer gelassen haben, die wurden nicht gefragt. Diejenigen, die wegen ihrer Herkunft, Hautfarbe oder sexuellen Orientierung verfolgt und drangsaliert werden, seit Wochen und Monaten unterwegs sind, um Sicherheit, Unterschlupf, Ruhe und ein besseres Leben zu finden - die werden überrumpelt. Zum Beispiel wenn sie hier ankommen und auf so was wie dich treffen.

Ich lebe in Rödelheim, einem Frankfurter Stadtteil mit sehr hohem Anteil an Einwanderern aus allen Teilen der Welt. Die Menschen hier sprechen und schreiben Deutsch, Englisch, Russisch, Polnisch, Französisch, Japanisch, Chinesisch, Finnisch, Serbisch, Kroatisch, Türkisch, Arabisch, Tigrinya oder was weiß ich. Sie leben ihr Leben, gehen ihren Berufen nach, sie lachen oder weinen, ärgern sich oder machen Späße, sie haben ihre Problemchen und Sorgen wie jeder andere. Rödelheim trägt den inoffiziellen Namen "Stadtteil gegen Rassismus".

Wenn sich einer von euch dumpfen Fremdenhassern und Rassisten auf meiner Facebook-Freundesliste befindet, der möge verschwinden.

Ich schäme mich für jeden einzelnen von euch.« Das sollte hier einmal dokumentiert werden, damit es sich nicht zwischen all den Katzen und Todenhöfers versendet ...

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