5. These »Illustrationen müssen neu sein.« Illustriert von Emilia Forstreuter für Slanted #14

Die Berlinerin gehört zur jungen Generation von Künstlern, die auch mit 3-D-Software und After Effects so mühelos umgehen, wie es mancher noch nicht einmal in Illustrator schafft. Dies verbindet sie mit ihrer ständigen Suche nach neuen Bildwelten.

Und findet auf Flohmärkten und im Worldwideweb immer wieder Gegenstände und Strukturen, die ihre Arbeit bereichern. Und man darf jedesmal gespannt sein, was sie als nächstes zeigt und auch ein bisschen darauf, wie es gemacht wurde. So spielt in diesem Motiv eine Barbiepuppe eine gewisse Rolle ...

Diese frische, detailreiche und technologisch innovative Form der Illustration soll die letzte These untermauern, die eigentlich ganz an den Anfang gehört; Illustrationen müssen neu sein.

Und damit beende ich dieses kleinen Ausflug in die Klugscheißerei und freue mich auf noch mehr Beiträge in diesem Blog. Und vor allem auf morgen, Dienstag, den 21. Juni 2011. Denn dann gibt es hier – neben dem Sommeranfang – richtig was zu feiern!

www.emiliaforstreuter.de www.slanted.de

Emilia Forstreuter illustrierte die Schrift MAUREN für die von Raban Ruddigkeit kuratierte Rubrik »Fontnames Illustrated« in Slanted #14.

NEU oder NEU?

Das Neue steht ja hoch im Kurs, seit Gott tot ist. Doch welche Qualität hat das Neue der Illustration? Neu im Sinne von innovativ oder neu im Sinne von modisch? Nehmen wir mal an sie sei innovativ – weil dies die positiv besetzte Form des Neuen ist – beschränkt sich das auf technische Aspekte? Ist Illustration auch im Ästhetischen innovativ? Oder wird das Immergleiche nur im neuen Gewand präsentiert?

@Raban
Eigentlich finde ich es bedenklich, dass Du Deine Reflexionen über Illustration selbst als »Klugscheißerei« bezeichnest, selbst, wenn das mit einem Augenzwinkern geschieht. Offenbar hat das Nachdenken dort, wo es bloß auf das Neue ankommt – das Modische – einen schlechten Leumund. Ein Eindruck, den man ganz allgemein von allen Bereichen des Designs hat. Der schnelle Kick, der Effekt ist alles, was zählt (typisches Merkmal des Kitsches, nebenbei bemerkt, und es haben schon andere die Gleichung Design=Kitsch aufgestellt), der Rest ist Champagner. Was, so frage ich mich, ist so anrüchig daran, sich ernsthaft mit dem, was einen fasziniert, auseinanderzusetzen?

Neuer?

Da hätte ich auch noch ein bemerkenswertes Zitat von jemandem, der sich mit dem Verhältnis von neu, innovativ, ästhetisch und provokativ bestens auskennt (frei zititert): "Neu und Originell sind irrelevant - Gut und Richtig sind wichtige Qualitäten." (Vivienne Westwood)

Am neuesten

Und damit sind wir ja mittendrin in der Avantgarde! Avantgarde ist der große Mythos der Kunst und allem, was sich im Gefolge so angesammelt hat, geboren zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als die Kunst politisch, sozial und ästhetisch revolutionär war. Und dem die Idee von der Weltverändernden, ja Weltverbessernden Kraft des Ästhetischen zu verdanken ist, die seitdem von Künstlergeneration zu Künstlergeneration weitergetragen wird. Soll man wirklich glauben, die Illustration sei davon unbeeinflusst geblieben? Wo sie sich doch mit deren Formen so sehr identifiziert? Gerade habe ich eine Ankündigung der nächsten Ausstellung bei Armin Abmeier in München bekommen. Was glaubt ihr wohl, an was das Flyerdesign erinnert – mal wieder?